Gelungener kultureller Neustart beim Schubart-Literaturpreis

Die Vorarlberger Schriftstellerin Monika Helfer erhält den mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreis der Stadt Aalen – Verena Güntner wird mit dem von der Kreissparkasse Ostalb gestifteten Förderpreis in Höhe von 7.500 Euro ausgezeichnet

Gelungener kultureller Neustart beim Schubart-Literaturpreis
(© Ingrid Hertfelder)

Am vergangenen Wochenende feierte Aalen die diesjährige Schubart-Literaturpreis-Vergabe mit viel Kunst, Kultur und vor allem mit viel Literatur im neuen Kulturbahnhof: am Samstagabend bei einem kurzweiligen Festakt und am Sonntagmorgen bei einer Lese-Matinee der beiden Preisträgerinnen Monika Helfer und Verena Güntner. „So schön klingt bei uns der Neustart der Kultur“, freute sich Oberbürgermeister Thilo Rentschler am Samstagabend über den „furiosen“ musikalischen Auftakt. 

Entspannt führte er als Gastgeber durch das rund anderthalbstündige Programm des Festabends mit den Laudationes auf die Preisträgerinnen, umrahmt von einem Potpourri an musikalischen, tänzerischen und darstellerischen Leckerbissen Aalener KünstlerInnen. Neben den Preisträgerinnen und den Mitgliedern der Jury konnte der Oberbürgermeister zahlreiche Ehrengäste im gut gefüllten Veranstaltungssaal im KubAA begrüßen. Sein herzlicher Willkommensgruß galt auch den beiden Laudatorinnen, Anne-Dore Krohn und Verena Auffermann sowie Markus Frei, dem Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Ostalb, der den Förderpreis der Kreissparkasse Ostalb an Verena Güntner überreichte. 

Zusammenfassung der Preisverleihung

Im folgenden Video können Sie sich die Highlights der diesjährigen Schbuart-Preisverleihung im Aalener Kulturbahnhof noch einmal ansehen:

Video

Anne-Dore Krohn und Verena Auffermann würdigen die Preisträgerinnen

Gelungener kultureller Neustart beim Schubart-Literaturpreis
(© Ingrid Hertfelder)

Die Berliner Literaturredakteurin  Anne-Dore Krohn war nach 2019 zum zweiten Mal in Sachen Schubart-Literaturpreis in Aalen und würdigte in ihrer Laudatio die Hauptpreisträgerin Monika Helfer und ihren Roman „Die Bagage“. „Woran haben Sie zuletzt getragen?“, fragte sie ins Publikum  und näherte sich einfühlsam der Familiengeschichte der Hauptpreisträgerin, in die sich Helfer in ihrem Roman förmlich „hineinschraube“.  Beim Lesen denke man automatisch an die eigene Bagage. „Niemand hat keine Bagage“, schließt Krohn am Ende und zieht Parallelen zu Schubart, dem es wohl auch so ergangen sei, als er zehn Jahre in Festungshaft auf dem Asperg saß. Schubarts Ehe sei „nicht gerade harmonisch“ gewesen, sodass vielleicht sogar seine Frau Helene noch schwerer an der Schubart-Bagage tragen musste.

„Ich schrieb, was ich sah“, erinnert sich Monika Helfer an ihr langsames Herantasten an die Schriftstellerei. „Ich musste mit der Sprache vorsichtig sein, erst genau beobachten und dann niederschreiben.“ Die eigene Familiengeschichte traute sie sich erst zu schreiben, nachdem das „Hauptpersonal“ nicht mehr lebte, bekennt die Dichterin. 
Dem Roman „Die Bagage“ ist mit „Vati“ ein zweites Werk gefolgt, in dem Helfer ihrem Vater ein schriftstellerisches Denkmal setzt. Im Frühjahr soll ein dritter Band folgen, der sich mit dem Schicksal ihres Bruders beschäftigt, der „es nicht mehr aushielt“ und sich mit 30 Jahren das Leben nahm.

Verena Auffermann würdigt Verena Güntner

Gelungener kultureller Neustart beim Schubart-Literaturpreis
(© Ingrid Hertfelder)

Bereits zum vierten Mal trat die Berliner Autorin und Kulturjournalistin Verena Auffermann als Laudatorin in Aalen ans Rednerpult; seit vielen Jahren ist sie Mitglied in der Jury des Schubart-Literaturpreises. Nur an der Oberfläche erzähle Verena Güntner die einfache Geschichte des Mädchens Kerze, das sieben lange Wochen den Hund einer Nachbarin im Wald suchte. Sie vergleicht die Protagonistin Kerze mit Heldinnen der Geschichte wie Jeanne d’Arc und modernen Lichtgestalten wie Greta Thunberg. Das kleine Mädchen heiße Kerze, „weil sie ein Licht ist in dieser rabenschwarzen Welt“. Auffermann schließt mit der Frage, warum junge Mädchen seit dem Mittelalter solch schwere Aufgaben übernehmen mussten. Verena Güntner habe Mut gehabt, solch ein beeindruckendes Buch zu schreiben. 
So oft habe sie es aufgeben wollen, bekennt Verena Güntner in ihrer Dankesrede, „ich bin immer noch erstaunt, dass es das Buch gibt.“ Sie habe bei dem Anruf aus Aalen nicht viel über Schubart gewusst, gesteht sie dann dem Publikum, habe aber die Zeit während des Pandemie-Lockdowns genutzt, um viel über Schubart zu lesen und nachzuforschen. Eineinhalb Jahre, in denen sie gezwungen gewesen sei, literarisches Arbeiten mit Kinderbetreuung in Einklang zu bringen. Auch das gehöre zur Entstehungsgeschichte ihrer Texte dazu. 

Auch Schubart selbst durfte am Festabend nicht fehlen - verkörpert von Philipp Dürschmied vom Theater der Stadt Aalen, der in einer gemeinsamen Performance mit den jungen SchauspielerInnen des Spielclubs 1 für Heiterkeit sorgte. Die musikalischen Einlagen bestritten Kirchenmusikdirektor Thomas Haller an der Orgel, Daniela Wahler am Saxophon und Jörg Stegmaier am Alphorn. Lea-Christin Wilhelmus übernahm den Gesangspart und zum Schluss tanzten Liane Schieferstein und Benedikt Krappmann zu den Klängen von Astor Piazollas Libertango über die Bühne.

INFO

Erstmals wurde der Festakt live gestreamt. Das Ergebnis sehen Sie hier:

Video