30 Jahre Identitätssuche Ost-West

Umbrüche

Das Ziel ist klar: Freiheit, Demokratie, Menschenrechte – und nichts Geringeres! Erinnern wir uns an die Versprechen von blühenden Landschaften und einen schnellen Anschluss an die Standards des Westens nach der friedlichen und auch unerwarteten Revolution in der DDR 1989.

30 Jahre Identitätssuche Ost-West - Umbrüche (© Stadt Aalen)

30 Jahre danach erleben wir in Ost – aber auch in West! – Populismus, Demokratieverdrossenheit und Geschichtsklitterung. Sie bestimmen Emotionen und haben in organisierter Form Einzug in die Landtage der Bundesrepublik gehalten. Dem ist nur eines entgegen zu setzen: miteinander sprechen, zuhören, nachdenken!

Zum Beispiel über Punkte, die uns immer noch trennen oder die Frage, ob all die hohen – überhöhten – Erwartungen nach dem Mauerfall in so kurzer Zeit erfüllbar waren. Ebenso gilt es zu sehen, welcher beispiellos gesellschaftliche Wandel im Osten unseres
Landes gemeistert worden ist!

Es geht darum, einiges in den Blick zu nehmen und uns auf ,Geschichte(n)’ einzulassen: erlebte Geschichten individueller Art, aber auch solche, welche die gesellschaftliche und politische Dimension der vergangenen 30 Jahre aufzeigen. Beides findet sich in dieser Veranstaltungsreihe, mit der die Stadt Aalen versucht, sich in unterschiedlichen Formaten und Kooperationen der Dramatik des damaligen Umbruchs und seiner bis heute andauernden Folgen zu nähern. Ich lade Sie herzlich dazu ein, den Blick in unsere gemeinsame Geschichte zu wagen!

Johanna im Ratssaal

Samstag, 01. Februar 2020 | 20 Uhr 
Rathaus Aalen, Großer Sitzungssaal

Frei nach Friedrich Schiller

Albtraumszenario 2025: Die politische Situation in Aalen ist unübersichtlich. Der Oberbürgermeister schweigt seit Monaten. Der Gemeinderat ist heillos zerstritten, die meisten Mitglieder fraktionslos. Aber haben die (Volks-)Parteien nicht eh ausgedient? Muss es im Rathaus überhaupt noch einen Gemeinderat geben, wenn die klare Benennung von Freund und Feind via Twitter die endlos öden Debatten sowieso abgelöst hat?

Im großen Sitzungssaal erscheint ein besonderer Gast: Johanna von Orléans. Ist sie nun Gesandte Gottes oder nur ein verwirrtes Hirtenmädchen? Will sie das Land retten oder nur nicht verheiratet werden? Und warum verliebt sie sich in den Feind? Und was haben die Demokratie und der Aalener Bürgerchor damit zu tun?

Karten auf www.theateraalen.de oder telefonisch unter 07361 522600

Von verlorenen Illusionen

Montag, 10. Februar 2020 | 19 Uhr
Torhaus, Paul-Ulmschneider-Saal

Ein Leseabend zwischen Geschichtsarbeit und Zukunftsforschung

Welche Spuren einer „DDR-Mentalität” trägt die Wendegeneration noch heute in sich? Bei der Suche schlägt Elisa Ueberschär eine Brücke in die 1960er Jahre und stellt ihre Texte dem unvollendet gebliebenen kritischen Gesellschaftsroman „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann (1933–1973) gegenüber, der postum 1974 in Ostberlin erscheinen konnte.

Obwohl in ganz unterschiedlichen Zeiten und staatlichen Zusammenhängen unterwegs, stoßen beide Autorinnen auf gesellschaftliche Hierarchien, Einzelinteressen oder undurchsichtige bürokratische Entscheidungen. Allesamt Blockaden für die Ideale und Vorstellungen der jungen Künstlergeneration.

Für eine Gegenwart ohne Utopien wie die unsrige, stellt sich daher ganz generell die Frage: Woran können wir glauben? Was kann unser zukünftiges sozialpolitisches Ziel als Gemeinschaft sein?

Zwischen uns die Mauer

Mittwoch, 12. Februar 2020 | 20 Uhr
Kino am Kocher

Film

Die 16-jährige Anna aus dem Westen reist mit einer Jugendgruppe zum Begegnungstreffen nach Ost-Berlin. Schnell verliebt sie sich in den rebellischen Pfarrersohn Philipp. Die Liebe in ihrem Lauf halten weder Mauer noch Eltern auf. Ein dramatischer Zwischenfall sorgt für erzwungene Funkstille. Erst nach der Wende 1989 treffen sich die beiden erneut – ihre Wiedervereinigung steht jedoch in den Sternen.

Mit viel Liebe zu den Figuren sowie reichlich realsozialistischer Retro-Ausstattung unternimmt das Jugenddrama eine Zeitreise „nach drüben“, die für Millenials unterhaltsame Einblicke in die jüngere Geschichte vermittelt. Und älteren Jahrgängen ein nostalgisches déjà-vu beschert.

Kinostart 3. Oktober 2019 / Regie: Norbert Lechner
Darst.: Lea Freund, Tom Bülow, Fritz Karl, Leon Blaschke, Till Demuth, Lara Feith

Nicht von Dauer war die Mauer

Donnerstag, 05. März 2020 | 19 Uhr
Torhaus, Paul-Ulmschneider-Saal

Die Frauen von ORWO

30 Jahre Mauerfall: Ruth E. Westerwelle zeigt an diesem Abend Fotografien aus der Zeit der Maueröffnung. Eine ihrer vielbeachteten Ausstellungen trug den Titel: „Löcher in der Mauer – Die ersten Tage des Mauerfalls”. Die Installation dazu „Nicht von Dauer war die Mauer” wird szenischer Teil dieses Abends sein.

Kurz nach der Wende reiste R. E. Westerwelle nach Wolfen, um im Auftrag vom Bauhaus in Dessau eine Fotodokumentation über den Rückbau des ORWOWerks in Wolfen Nord zu erstellen. Dabei interviewte sie Frauen auf allen Ebenen, die in der Filmherstellungsfabrik gearbeitet haben und sicherte damit ein einmaliges Stück (weiblicher) Industriegeschichte.

Ausstellungsdauer 05.03.-03.04.2020

Frauencafé in der Stadtbibliothek

Samstag, 07. März 2020 | 10:00 - 12:00
Stadtbibliothek im Torhaus

Frauencafé

Seit dem Aalener Barcamp um den Internationalen Frauentag 2019 treffen sich die „Scriverinas”, um beim Schreiben Grenzen zu testen, einzureißen, zu überwinden, zu verschieben und mit der Freiheit des neugewonnen Raums zu spielen.

Zum diesjährigen Frauentag und anlässlich des 30jährigen Mauerfalls stellen sie im Frauencafé der Stadtbibliothek eigene Texte rund um das Thema Umbrüche und Grenzen vor.

Frauen-Film- Frühstück

Sonntag, 15. März 2020 | 9 Uhr
Kino am Kocher

11:00 Film „Was gewesen wäre”

Im Anschluss an das FrauenFrühstück um 9:00 Uhr zeigt das Kino am Kocher für Frauen und Männer den Film „Was gewesen wäre”:

Florian Koerner von Gustorf inszeniert sein Regiedebüt ganz undramatisch als kleine und spröde Alltagsgeschichte auf zwei Zeitebenen – im Damals und was daraus hätte werden können – und im Heute, was tatsächlich geworden ist. Die Hauptdarsteller Christiane Paul und Ronald Zehrfeld glänzen als frisch verliebtes Paar, das plötzlich und unversehens mit einer unverarbeiteten Jugendromanze und mit der deutsch-deutschen Vergangenheit konfrontiert wird.

Inspiration und Erwachen durch Kultur

Samstag, 28. März 2020 | 18 Uhr
Rathaus Aalen

Plovdiv - Europäische Kulturhauptstadt 2019

Dr. Mariana Tcholakova ist Honorarkonsulin der BRD mit Sitz in Plovdiv in der Republik Bulgarien, wo sie auch geboren wurde. Sie erlebte die friedliche Revolution in Leipzig sowie den politischen Umbruch in Bulgarien. Maßgeblich begleitete sie die Bewerbung der Stadt Plovdiv als Europäische Kulturhauptstadt.

In ihrem Vortrag stellt sie die Motivationsgründe, die praktischen Erfahrungen und Erkenntnisse des Projektes „Plovdiv – Europäische Kulturhauptstadt 2019” dar: Wie wird eine Stadt Europäische Kulturhauptstadt und warum? Welche sind die subjektiven und die objektiven Gründe dafür? Was hat sich verändert und was nicht?

Heimat. Kann die weg?

Montag, 30. März 2020 | 20 Uhr
Rathaus Aalen

Muhterem Aras und Hermann Bausinger

Zwei bedeutende Persönlichkeiten kommen ins Gespräch über einen strapazierten wie umstrittenen Begriff. Es geht um Heimat.

Muhterem Aras, baden-württembergische Landtagspräsidentin, und Hermann Bausinger, emeritierter Professor für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen, diskutieren über die Bedeutung diese Begriffs in einer Gesellschaft der Vielfalt. Sie sprechen über Akzeptanz und Gefühle, über Verschiedenheiten und Zugehörigkeiten, über die Bedeutung des Grundgesetzes als Fundament, über Demokratie und Parlamentarismus – und über Zusammenhalt.

Zwei Dresdner Grenzgänger

Montag, 30. März 2020 bis Montag, 01. Juni 2020
Galerie im Rathaus Aalen

Ernst Hassebrauk und Max Uhlig

Zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung präsentieren sich „Zwei Dresdner Grenzgänger“.

Ernst Hassebrauk und Max Uhlig. Beide hatten ihren Lebensmittelpunkt in der DDR. Doch ihre Erfolge feierten sie aber mehr im Westen, da sie sich konsequent der staatlichen Doktrin widersetzten. Gezeigt werden rund 50 Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung und Druckgraphik.

Umbruch Ost. Lebenswelten im Wandel

Montag, 20. April 2020 bis Montag 01. Juni 2020
Rathausvorplatz, Marktplatz

Eine Ausstellung zur Geschichte der deutschen Einheit

Was für viele Aalener nur eine Randerscheinung war, drehte das Leben vieler Ostdeutscher um: Die Deutsche Einheit. Grund genug für die Stadt Aalen, die Schau „Umbruch Ost“ (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) an den Kocher zu holen.

Direkt am Reichsstädter Brunnen erzählen zwanzig Poster vom verrückten Alltag in den neuen Ländern nach 1990. Ergänzt wird die Schau durch weitere Tafeln des Stadtarchivs – Thema: Wie nahmen die Aalener die Wendezeit wahr?

Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

Sonntag, 10. Mai 2020 | 15 Uhr 
Kino am Kocher

Kinderfilm

Im Herbst 1989 naht das Ende der DDR. Die zwölfjährige Fritzi ist in Leipzig aus nächster Nähe dabei und erlebt den Fall der Mauer hautnah mit. So merkt sie etwa, dass ihre Freundin Sophie nicht aus dem Ungarn-Urlaub zurückkehrt, um deren Hund sie sich kümmert.

Als Sophie schließlich auch bei Schulbeginn noch nicht wieder da ist, macht sich Fritzi auf die Suche und erlebt dabei ein großes Abenteuer.

Zeitzeugenabend

Dienstag, 12. Mai 2020 | 19 Uhr
Weidenfeldhalle beim Berufsschulzentrum

Vortrag

Anfang November 1989: Gut 500 DDR-Bürger drängen in die Aalener Weidenfeldhalle. Ihr Wunsch nach Freiheit hat sie über die Prager Botschaft und Ungarn auf die Ostalb gebracht. Landrat Dr. Winter versichert den Flüchtlingen, „dass Sie hier von der Bevölkerung freundlich aufgenommen werden.“ War es wirklich so? Gut dreißig Jahre später lädt Stadtarchivar Dr. Georg Wendt zum Zeitzeugenabend in die Weidenfeldhalle.

Am historischen Ort berichten Neu-Aalener aus der DDR über ihre Erlebnisse, auch Alt-Aalener kommen zu Wort. Die Themen sind u.a. Aalener Nothilfe für das Kinderhospital Altenburg i. Thüringen oder Aufbauhilfe in Jena. Extra für den Abend haben die Zeitzeugen ihre Fotoalben durchsucht und bringen die eindrücklichsten Aufnahmen mit.

Der Pflaumenbaum

Donnerstag, 14. Mai 2020 | 10 Uhr
Stadtbibliothek im Torhaus

Bertolt Brecht für Kinder

Mit einer kindgerechten Poesieauswahl führen Karla Andrä und Josef Holzhauser durch das Kinder-Werk Bertolt Brechts. Witzige Lehrgedichte, lustige Wortspiele, schlaue Verse und nachdenkliche Texte, eingebettet in das Leben des großen Augsburger Poeten, haben sie für ihr Theaterstück zusammengestellt und mit großem Gespür für heutige Kinderherzen vertont.

So wecken die beiden Künstler die Lust auf Lyrik und den Dichter Bertolt Brecht, der schon immer annahm, dass Kinder Gastspiel Fakstheater Augsburg denken können.

Wendezeit – Zeitenwende

Freitag, 4. September 2020 bis Sonntag, 29. November 2020
Schloss Fachsenfeld

Ausstellung

Die Bilderschau beschreibt die Zeit der künstlerisch-politischen Wendezeit in der Dekade bis zum Mauerfall und mündet letztendlich in die gegenwärtige Zeitenwende – 30 Jahre jenseits der historischen Teilung.

Der Schwerpunkt der Ausstellung mit graphischen Blättern veranschaulicht anhand von ausgesuchten Werken bekannter ehemaliger DDR-Künstler und von jüngeren Nachwende-Künstlern die Entwicklungen und Strömungen bis 1989 und den darüber hinauswirkenden Umbruch mit seiner vielfältigen gestalterischen und politischen Dramaturgie. In Zusammenarbeit mit der renommierten Weimaraner Galerie Hebecker werden in den Schlossräumen Arbeiten u. a. von Willi Sitte, Uwe Pfeifer, Horst Hussel, Rolf Münzner oder Konrad Henker gezeigt