2019: Daniel Kehlmann erhält Schubart-Literaturpreis

Der Schubart-Literaturpreis 2019 der Stadt Aalen geht an Daniel Kehlmann. Der 1975 in München geborene Schriftsteller erhält den mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreis für seinen Roman „Tyll“ (rowohlt).

Daniel Kehlmann
Dankesrede des Schubart-Literaturpreisträgers 2019, Daniel Kehlmann (© Peter Schlipf)

Daniel Kehlmann ist nach Auffassung der Schubart-Jury mit „Tyll“ erneut ein hervorragendes Buch gelungen. In seinem Schelmenroman nimmt er viele Anleihen an die mittelalterliche Figur des Till Eulenspiegel, geht aber in seiner großen Fabulierkunst zugleich frei damit um, indem er „Tyll“ mitten in den Wirren und Schrecknissen des Dreißigjährigen Krieges agieren lässt. Gewalt, Hunger und Seuchen sind alltäglich, aber noch schlimmere Verheerungen richtet die ständig präsente Gewalt bei jedem Einzelnen an. Tyll bewegt sich in dieser Welt, weiß um die Bedrängnisse der Armen und entlarvt mit beißendem Spott die Lügen und Widersprüche, ob sie nun mittelalterlichem Aberglauben oder neuzeitlichem Machstreben entspringen.

Der Autor Daniel Kehlmann und sein Tyll haben, so die Begründung der Jury, vieles gemeinsam. So wie Tyll seine Gaukeleien virtuos beherrscht, die Menschen in den Bann zieht und dann doch völlig verblüfft, so grandios ist Kehlmanns Erzählweise und die Beherrschung aller Facetten der Sprache. „Besser kann man ein Buch über einen Freigeist nicht schreiben“, so die einhellige Meinung der Jury. „Man darf annehmen, dass C.F.D Schubart an Daniel Kehlmanns „Tyll“ seine helle Freude gehabt hätte.“

© Stadt Aalen, 21.05.2019