2009: Schubart-Literaturpreis für Peter Schneider

Peter Schneider ist am Sonntag mit dem Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen ausgezeichnet worden. Oberbürgermeister Martin Gerlach und die Vorsitzende der Jury, Irene Ferchl überreichten den mit 12.000 Euro dotierten Preis und würdigten das Lebenswerk des Schriftstellers.

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Schneiders Beschäftigung mit deutscher Zeitgeschichte, in bewusster Verschränkung von Politik und Literatur, steht in der Tradition des freiheitlichen und aufgeklärten Denkens Schubarts. Besonders überzeugt hat die Jury im jüngsten Werk über die Achtundsechziger Zeit „Rebellion und Wahn“ die Redlichkeit des Autors im Umgang mit der - auch eigenen - Vergangenheit.

Daran ließ Dr. Mathias Schreiber vom Kulturressort des „Spiegel“ in einer kurzweiligen, teils amüsanten Laudatio die zahlreichen Gäste teilhaben. Er zeichnete ein differenziertes, farbiges Bild der literarischen und politischen Entwicklung der Bundesrepublik in den 60er und 70er Jahren und der Rolle des Schubartpreisträgers Peter Schneider.

Der „Schlingel der frühen Jahre“, der „Kleingewaltromantiker“, wie Schneider sich im Rückblick selbst bezeichne, sei dem linken Aktionismus und der grotesken Befreiungsrhetorik der Achtundsechziger entkommen. Mit „Lenz“ und „Der Mauerspringer“ habe sich die Kluft zu den unverbesserlichen Weltverbesserern vertieft. Auch von Adornos Postulaten zur Lyrik nach Auschwitz und der Unmöglichkeit des Erzählens (1954) habe sich Schneider nicht beirren lassen. Damit sei er vielen jungen Autoren zum Vorbild geworden. “Er hat immer frischer und befreiter geschrieben“ weist Schreiber auf den Roman „Paarungen“ hin, „der zu seinen besten Büchern gehört.“ Und „Skylla“, in dem Schneider Mystik und Mythen entdeckt, „so als könne ihm die Welt nichts mehr anhaben.“

„Weiter so!“ ermunterte der Laudator den Preisträger auch im Hinblick auf das neue Thema, das Schneider beschäftige.

Ursache der Finanzkrise ist Machtgier

Wortgewaltig, direkt und pointiert in bester Schubartschen Tradition ging der Preisträger auf die Finanzkrise ein, nahm den „Casinokapitalismus“ ins Visier und kritisierte Gier und Machtgier. Die Finanzkrise, die keine Schuldigen benenne sei in Wahrheit ein Krieg, für den es Verantwortliche gäbe. Es herrsche Sprachlosigkeit, weder rechtfertigten sich die „Gurus der Scheingewinne“ noch reagierten die Betrogenen.

Dabei sei es eine Illusion zu glauben, dass der freie Markt ohne Zutun, aus eigener Entwicklung zu einer zivilisierten Gesellschaft führe. Mit Hinweis auf den Philosophen Popper rief der Preisträger zur Umkehr auf. „Das größte intellektuelle Verbrechen ist es, erkannte Irrtümer nicht zu korrigieren.“ Den Preis, so Schneider werde er nicht wieder für eine gute Sache spenden, sondern ihn, „wie es Schubart gemacht hätte, höchstpersönlich verprassen.“

© Stadt Aalen, 02.01.2015