Wasseralfingen im Königreich Württemberg

Sa., 21.10.2017 - So., 28.01.2018

Die Ausstellung findet am Freitag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen jeweils von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr oder nach Vereinbarung statt.

Hochofen Wasseralfingen
Hochofen Wasseralfingen (© Alexander Eckener (1870–1944))

„Aalen bei Wasseralfingen“ – diese Lagebeschreibung für Aalen soll vor allem im Stuttgarter Raum im 19. Jahrhundert angegeben worden sein.

Wie kam es zu dieser doch sehr erstaunlichen Aussage?

Wasseralfingen erlebte in der Zeit des Königsreichs Württemberg eine geradezu gigantische Entwicklung, die auch noch in der heutigen Zeit großes Staunen hervorruft.

Die Einwohnerzahl des ehemals landwirtschaftlich orientierten Ortes Wasseralfingen stieg von 465 Einwohnern im Jahre 1803 auf 2.015 Einwohner im Jahre 1843 an – mehr als das Vierfache!

Dieser Aufstieg hing nicht zuletzt auch mit der großen Weltpolitik zusammen: Napoleons: „Flurbereinigung“ der politischen Landkarte hatte die Säkularisierung und Mediatisierung zur Folge. Für unseren Raum bedeutete dies die Zuordnung der Fürstpropstei Ellwangen und der Freien Reichsstadt Aalen zu Württemberg.

Das Königreich Württemberg erkannte den großen wirtschaftlichen Nutzen der bereits seit Jahrhunderten hier abgebauten Erzvorkommen und deren Verhüttung. Wasseralfingen wurde zum Zentrum der württembergischen Schwerindustrie. Der Bau der Eisenbahn 1861 beschleunigte zusätzlich den wirtschaftlichen Aufschwung.

In der Ausstellung wird auf den Erzbergbau und die Eisenerzeugung und Verarbeitung eingegangen. Auch der Transport des Erzes zum Hüttenwerk durch die erste deutsche Zahnradbahn spielt dabei eine Rolle. Neben der technologischen Entwicklung wird das Leben der Menschen in diesen Jahrzenten des großen Aufschwungs gezeigt.

Wie konnte für die schnell wachsende Bevölkerung Wohnraum geschaffen werden? Die sogenannten Laborantengebäude und die Werksiedlung Westheim sind Beispiele hierfür.

Eine breite Palette von weiteren Themen soll dabei das Alleinstellungsmerkmal Wasseralfingens in dieser Zeit verdeutlichen, wie die Entwicklung der Kirchengemeinden, der bürgerlichen Gemeinde, der Brauereien, der Geschäftswelt, der Vereine, der Schulden und vieles mehr.

War die Soziale Frage des 19. Jahrhunderts – die Not der Arbeiterschaft in der Zeit der Industrialisierung – ähnlich virulent wie anderswo? Oder hatten die Hüttenwerksbeschäftigten im Staatsbetrieb bessere Arbeitsbedingungen als damals in der Privatindustrie?

Die harte und gefährliche Arbeit im Berg- und Hüttenwerk verlangte es geradezu, eine Gesundheitsfürsorge für die Arbeiter zu organisieren. Die Versorgung mit Medikamenten übernahm bereits vor 150 Jahren die heutige Stadtapotheke. Deren Anfänge und ihre Geschichte sind Teil der Ausstellung.

Das Zusammenleben der Konfessionen und die Kirchenbauten in dieser Zeit werden ebenfalls thematisiert. Der Zuzug von überwiegend protestantischen Hüttenwerksbeschäftigten erforderte im ehemals rein katholischen Wasseralfingen ein hohes Maß an Toleranz.

Mit dem Eisenkunstguss kam auch die Kunst nach Wasseralfingen: Viele bekannte Künstler wurden in Wasseralfingen heimisch, z.B. Weitbrecht, Christian und Hermann Plock, Eduard Wengert, der Zeichenlehrer Sieger Köders. Sie alle waren mit den Hüttenwerken verbunden.

In Begleitveranstaltungen werden Eisenkunstgussvorführungen und Vorträge – zum Beispiel über die Arbeiterwegs von Fachsenfeld nach Wasseralfingen, aus der Geschichte der Medizin und der Arzneimittel, sowie der Wasseralfinger Dopfersteine – angeboten.

Die Darstellung einer Boomtown im 19. Jahrhundert ist nicht nur für Wasseralfinger und Aalener von Interesse, sondern weit darüber hinaus.

Veranstalter

Bund für Heimatpflege Wasseralfingen e.V.
Martin-Knoller-Straße 9
73433 Aalen-Wasseralfingen

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